Museumsbummel nach Bern – Bestandesaufnahme Gurlitt

Auf Initiative des BM 2-Lernenden Christian Roth versammelten sich am letzten Tag der Sportferien siebzehn Lernende und die Lehrerin für Kunstgeschichte, um in Bern einen kunsthistorischen Museumsbummel durchzuführen.

Die Rolle der Kunst im Dritten Reich

Geistige Brandstiftung: die Idee der entarteten Kunst im Dritten Reich

Unser Thema war dem Expressionismus und der sogenannt «Entarteten Kunst» gewidmet. In Bern bot sich die Gelegenheit, in der Ausstellung «Bestandesaufnahme Gurlitt»  auch Provenienz- und Restitutionsfragen genauer kennenzulernen.

Das Thema bekam bereits in der Einführung Brisanz. Bücher, die als geistige Brandstifter für die nationalsozialistische Rassen- und Kunstideologie wirkten, begleiteten unsere Reise. Schultze-Naumburgs Schrift «Kunst und Rasse» oder der Originalkatalog der «Grossen Deutschen Kunstausstellung» ermöglichten allen eine handfeste Begegnung mit dem zweifelhaften Gedankengut, das 1937 zur Femeausstellung «Entartete Kunst» in München führte.

In Bern waren Bilder zu sehen, die in den Medien als «Schatten einer dunklen Vergangenheit»  bezeichnet wurden. Der Sohn des Kunsthändlers Hildebrand Gurlitt vererbte rund 1400 Grafiken und Gemälde an das Kunstmuseum Bern und übertrug dem Haus damit eine schwierige Aufgabe.

Während der Nationalsozialistischen Zeit spielte der Kunsthandel eine wichtige Rolle. Die NS-Führungselite beabsichtigte nicht nur, eigene Kunstsammlungen zusammenzutragen, sondern der Kunsthandel garantierte dem Reich die Einnahme von Devisen. Als Mittel dazu benutzte man die deutsche Kunst der Avantgarde, die als entartet verfemt und ab 1938 im Land verboten war.

Der Kunsthandel florierte trotz Kriegswirren und jüdische Kunstsammler wurden gezwungen, ihre Sammlungen auf dem Kunstmarkt zu veräussern. Händler wie Gurlitt und Auktionatoren waren Nutzniesser der prekären Umstände.

Mit dem Erbe Gurlitts übernahm das Kunstmuseum Bern die Verantwortung zu prüfen, wem die Bilder der geerbten Sammlung einst gehörten. Diese Frage wurde in einem  ganzen Ausstellungbereich beleuchtet und weckte das Interesse besonders.

Dokumente und Werkzeuge der Provenienzforscher gaben Einblick in einen aktuellen Forschungszweig der Kunstgeschichte. Wir erfuhren, was Rückseiten über die Vergangenheit eines Bildes erzählen und welche Archiv-Dokumente Antworten enthüllen. Nicht zuletzt verstanden wir, wie eng die Schweiz mit der gewaltsamen Geschichte von Kunstplünderung und Raub im Dritten Reich verwoben war.