Vernissage zur Ausstellung der Vertiefungs- und Berufsmaturitätsarbeiten 2024

Am Montagabend, 6. Mai 2024 fand an der Pädagogischen Hochschule Zürich (PHZH) die Vernissage zur Ausstellung der städtischen Vertiefungs- und Berufsmaturitätsarbeiten statt.

 

Die Gäste treffen im grossen Hörsaal zur Eröffnung der Vernissage ein.

Nach der Begrüssung und der Präsentation der Werke werden die ausgestellten Vertiefungs- und Berufsmaturitätsarbeiten bei einem Apéro besichtigt.

Ausserordentlich zahlreich strömte das Publikum kurz vor 18.30 Uhr in den grossen Hörsaal im zweiten Stock der PHZH.

Herbert Kähli, Lehrer an der Schule für Gestaltung und langjähriger Organisator der Ausstellung, begrüsste die Gäste. Er schätzte, dass in den 38 ausgestellten Arbeiten rund 4000 Arbeitsstunden stecken: «Wir zeigen Ihnen heute die kreativsten, die herausragenden und die berührendsten Arbeiten», resümierte er und bedankte sich bei den betreuenden Lehrpersonen, bei Sarai Aron, verantwortlich für den Aufbau der Ausstellung, sowie bei allen Sponsoren, die den Anlass finanziell unterstützen. Einen speziellen Dank widmete er der PHZH, die der Ausstellung seit mehreren Jahren das Gastrecht gewährt. In seiner Begrüssung zeigte sich der Rektor der PHZH, Prof. Dr. Heinz Rhyn, beeindruckt von der Vielfalt der ausgestellten Arbeiten: «Abschlussarbeiten sind berufsbiografisch wichtig, aber auch persönlich sind sie wichtig. Sie bringen neue Themen auf und regen das Lernen auch bei den Lesenden an», hielt der Rektor der PHZH fest. Er machte mit einer Tour d’Horizon durch die bearbeiteten Themen dem Publikum Appetit, die Arbeiten anschliessend selbst zu entdecken.

Die Berufsmaturitätsschule Zürich konnte an der Ausstellung zwölf herausragende Berufs-maturitätsarbeiten zeigen. Janis Müller und Elia Saputelli aus der BM 2-Klasse EVT23b präsentierten dem Publikum ihre Berufsmaturitätsarbeit mit dem Titel: «ArKItektur – Brücken bauen mit generativer künstlicher Intelligenz».

Ziel ihrer Arbeit war es, das Modell einer Brücke zu planen, zu bauen und zu testen, wobei sie herausfinden wollten, ob das Brückenmodell, welches von einer künstlichen Intelligenz (KI) erstellt wurde, sich einem fachmännischen Brückenmodell ebenbürtig zeigt.

Ihre Einstiegsfrage an das Publikum, wer schon mit Chat-GPT gearbeitet habe, beantworteten einige Publikumsgäste mit Handaufstrecken. Auf die Nachfrage, wer bereits Erfahrungen mit speziellen Applikationen von Chat-GPT wie zum Beispiel Dall-E gemacht hat, einem Computerprogramm, das Bilder aus Textprogrammen aufgrund von maschinellem Lernen entwickeln kann, gingen nur noch wenige Hände in die Höhe. Der entscheidende Prompt der beiden BM 2-Lernenden der Technischen Ausrichtung für das Zeichnen mit KI lautete: «Draw an image of a truss arch bridge, the image should have clear lines and riversides visible on both sides.» Das mit KI-generierte Bild der Brücke wurde in eine Zeichnung umgesetzt, das Brückenmodell anschliessend konstruiert. Das zweite Brückenmodell wurde nach dem Lehrbuch erstellt. Im anschliessenden Belastungstest schnitt das mit KI konstruierte Modell eindeutig besser ab, wobei es mit gebogenen Leisten auch besser verstärkt war. Während das herkömmlich konstruierte Modell im Versuch bei einer Last von 95kg entzweibrach, hielt das mit KI entwickelte Brückenmodell mehr als 100kg Belastung ohne Bruchpunkt aus. Der gelernte Informatiker und der gelernte Zimmermann zogen daraus den Schluss, dass KI in der Architektur durchaus verwendet werden kann. Deren Einsatz erfordert allerdings speziell entwickelte KI-Modelle und genaue Anweisungen (Prompts) für den optimalen Einsatz.

Herbert Kähli führte an der Vernissage mehrere Interviews mit Autorinnen und Autoren, darunter auch mit fünf BM 1-Lernenden unserer Schule:

Pius Leserf und Jonas Botzenhardt, zwei angehende Elektroniker aus der Klasse BEL20a, untersuchten in ihrer Berufsmaturitätsarbeit mit dem Titel «Reparaturskala für Elektro-geräte», ob eine Reparaturskala bei Elektrogeräten einen positiven Einfluss auf das Kauf-verhalten von Verbrauchern haben könnte. «Wir wurden für diese Arbeit motiviert durch die Menge an Elektromüll, der wir während unserer bald vierjährigen Ausbildung begegnet sind», hielt Jonas Botzenhardt fest. «Zuerst einmal mussten wir klären, was Reparieren überhaupt bedeutet», ergänzte Pius Leserf. Anschliessend führten die beiden Lernenden ein Verhaltensexperiment durch, bei dem der Einfluss der Reparierbarkeit beim Kauf eines elektrischen Handmixers getestet wurde. Als Ergebnis konnten die beiden Lernenden feststellen, dass die Versuchsteilnehmenden durchaus bereit waren, einen höheren Preis zu bezahlen, wenn die Reparierbarkeit des Geräts besser gewährleistet ist. Sie ziehen daraus den Schluss, dass ein Reparaturindex bei Geräten ebenso selbstverständlich werden muss wie der entsprechende Index für die Energieeffizienz.

Kimberly Tran aus der Klasse BKV20b entwickelte in ihrer gestalterischen Berufs-maturitätsarbeit einen Kurzfilm, der die verschiedenen Gesichter ihrer Identität in einem zerfallenden Zustand darstellt. Als Stilmittel verwendete die Lernende der Ausrichtung Gestaltung und Kunst das Action Painting. Dabei stellte sie die Grundemotionen in einer Tanzchoreografie mit verschiedenen Farben malerisch dar. Ihre Leitfrage lautete dabei: «Wer bin ich, wenn mich die verschiedenen Facetten meiner Gefühle beeinflussen?» Der angehenden Zeichnerin Fachrichtung Architektur war es wichtig, die physische Form ihrer Emotionen zu zeigen: «Der Film hat zu meiner Persönlichkeitsentwicklung beigetragen», betonte sie und ergänzte im Gespräch: «Er ist mehr als eine schulische Arbeit, ich kann nach dem Vollenden des Films besser mit meiner Suche nach der Identität umgehen.»

Fabian Kech und Marc Roux aus der Klasse BGB20d beschäftigten sich in ihrer Berufsmaturitätsarbeit mit der Frage, welche Herausforderungen in der Erstellung und Nutzung von Veloschnellrouten vorhanden sind. Der angehende Automobilmechatroniker Nutzfahrzeuge und der angehende Mediamatiker beantworten in ihrer Berufsmaturitätsarbeit die Frage, warum solche Veloschnellrouten in der Schweiz fehlen und was es braucht, damit sie sich auch hierzulande durchsetzen können. Nach verschiedenen Recherchen und einer Umfrage kommen sie zum Schluss, dass in den Städten erste Ansätze für Veloschnellrouten vorhanden sind. Damit sie aber weiter ausgebaut und zu einem Netz zusammengeführt werden können, benötigt es den politischen Willen. Denn der Aufbau bedingt eine grosse Investitionsbereitschaft der öffentlichen Hand.

Wir freuen uns über alle gelungenen Berufsmaturitätsarbeiten unserer Lernenden und danken an dieser Stelle besonders auch den Betreuungspersonen für ihren wertvollen Einsatz im Rahmen der Talent- und Innovationsförderung.