Unterrichts­impressionen

Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Recht

Unterrichtsthema Steuern

Autor: Martin Laely

Im November 2016 behandelte die Klasse BGE14c im Fach Volkswirtschaft, Betriebswirtschaft, Recht das Thema «Steuern». Die Website steuern-easy.ch lieferte zu diesem Thema viele Informationen mit nützlichen Übungen und auch den Hinweis auf den Wettbewerb der Schweizerischen Steuerkonferenz.

Mit Ehrgeiz und Akribie recherchierten die Schülerinnen und Schüler die Antworten auf die Wettbewerbsfragen. Die Freude war natürlich riesig, als dann pünktlich zum letzten Schultag im Juni 2017 die Nachricht vom 1. Platz eintraf! Ein Teil des gewonnenen Betrags von CHF 600 wurde für das Abschlussessen verwendet. Den grösseren restlichen Teil möchte die Klasse einer noch zu bestimmenden wohltätigen Organisation zukommen lassen.



Interdisziplinäres Arbeiten in den Fächern

Kunstgeschichte & Technik und Umwelt

Autorinnen: Fiona Straehl und Jeannine Bromundt

Das Frühlingssemester begann mit einem Experiment. In zwei scheinbar am entgegengesetzten Ende des Fächer-Spektrums liegenden Unterrichtsstunden der Ausrichtung Gestaltung und Kunst wurde das Thema «Food Waste» aufgegriffen. In den Lektionen der Fächer «Technik und Umwelt» und «Kunstgeschichte» befassten sich die GTK15-Klassen einerseits von einem technisch-naturwissenschaftlichen Standpunkt aus mit dem Thema und beleuchteten es andererseits aus geisteswissenschaftlicher Perspektive.

Als Lehrpersonen interessierten uns die Querverbindungen, welche sich in den unterschiedlichen Fächern für den Unterricht ergeben können. Unser Vorgehen erwies sich als sehr fruchtbar und inspirierend und deckte weitere Anknüpfungspunkte an ganz unerwarteten Stellen auf.

Nachdem es in beiden Fächern zunächst darum ging, die Begrifflichkeiten zu definieren, die besonders beim aktuellen Trendthema «Food Art» respektive «Food Waste Art» völlig verwischt sind, kamen in den Unterrichtslektionen praktische Aspekte zur Sprache. Dabei kollidierten Erkenntnisse aus dem Fach «Technik und Umwelt» mit Beispielen aktueller Food-Art-Werke im Fach «Kunstgeschichte».

In Anbetracht der drastischen Fakten zur Lebensmittelverschwendung in Europa, die im Fach «Technik und Umwelt» vermittelt worden waren (in der Schweiz landen jährlich 2.3 Millionen Tonnen essbare Lebensmittel im Eimer, davon täglich 320 Gramm pro Person alleine in den Haushalten), fiel die Einschätzung der Lernenden zur Food-Art-Kunst sehr differenziert aber radikal aus. Die witzigen Lebensmittelbilder bekannter Food-Art-Künstler, welche in auffallend grosser Zahl klassische Kunstwerke mit Hilfe von Saucen, Gemüse, Früchten und anderen Lebensmittel nachahmen und diese schliesslich als Fotografien im Kunstmarkt anbieten, fanden wenig Gnade. Als oberflächliche und schnelllebige Unterhaltung wurden diese Kunstwerke von einigen Lernenden mit handfesten Argumenten abqualifiziert, andere empfanden sie als charakteristisch für eine werteentfremdete Zeit, die das spiegle, was zum gesellschaftlichen Problem geworden sei.

Richtig engagiert wurde die Diskussion, als Skulpturen und Aktivitäten zur Sprache kamen, die sich dem Thema auf kritische Art nähern, das gesellschaftliche Problem des Food Waste beispielsweise durch Performances anprangern und Auswege aus dem Dilemma fordern. Mehrere Künstler nutzen das «Containern» oder «Dumpstern», das auch im Fach «Technik und Umwelt» als Anti-Food-Waste-Bewegung angesprochen wurde, um essbare Lebensmittel aus Mülltonnen in ihren Kunstwerken zu verwerten und die Grössenordnung der Verschwendung zu visualisieren. Mit dieser Thematik waren einige der Lernenden bestens vertraut und outeten sich dabei als Kenner der «Dumpster»-Szene.

Auch der Umweltaktivist Alejandro Chellet verköstigt in einer künstlerischen Performance seine uneingeweihten Vernissagebesucher/innen mit Speisen aus der Mülltonne und verbrennt daraufhin jene Geldspende, die er von seinem völlig konsternierten Publikum erhalten hat. Erst die Aufklärung über die Herkunft der Nahrungsmittel offenbart, dass uns die Vernichtung von Geld offensichtlich mehr bekümmert als die Vernichtung von lebenserhaltender Nahrung. Dieser Aspekt des Kunstevents rief die bedenkliche Dynamik in Erinnerung, welche im Fach «Technik und Umwelt» zuvor diskutiert worden war.

In einem Interview mit Jean Ziegler kam zur Sprache, dass Grosskonzerne auf dem Weltmarkt mit Nahrungsmitteln handeln, und zwar zwecks Profitmaximierung und nicht, um Hunger zu bekämpfen. Dass aber nicht nur Grosskonzerne, sondern auch jeder einzelne von uns einem offensichtlich verschobenen Wertesystem unterworfen ist, liess sich in der künstlerischen Performance am eigenen Leib erleben und im Schulzimmer durch Bilder sozusagen aus zweiter Hand nachvollziehen.

Eine Schülerin regte an, eine Berechnung anzustellen. Sie fragte sich, welche Ressourcen ein monumentales Kunstwerk aus trockenem Brot, das in Graz öffentlich gezeigt worden war, zahlenmässig verkörpere. Sie schlug vor, dies zu berechnen, um dem attraktiven Kunstwerk mit konkreten Zahlen ein Fundament zu geben. Erst dann sei die Aussage des Werkes deutlich lesbar und nicht vage. In solchen Verknüpfungen lag fraglos der spannende Teil unserer fächerübergreifenden Zusammenarbeit und wir werden diese Idee weiter aufgreifen.

Im Unterricht stellte sich zudem die Frage, wozu Kunst nötig sei, wenn die Statistiken zu Food Waste eine klare Sprache sprechen. Liegt das Potential der Kunst darin, unsere Sinne für drängende Umweltfragen in unserer Zeit zu schärfen und uns zu sensibilisieren? Kunst kann dies, indem sie die unbefangene Sprache der Kreativität anwendet, die zum Staunen und Nachdenken anregt ohne zu werten. Es ist selbstredend, dass eine umfassende Allgemeinbildung in verschiedenen Bereichen die notwendige Bedingung für kreatives Schaffen ist. Eine Grundlage, die an der Berufsmaturitätsschule zweifellos geboten wird.

Deutsch

Besuch der Sammlung des Kunsthauses Zürich: Von Zünd bis Dadaismus

Autorin: Corina Bächtold, Deutschlehrerin

Unsere Gesellschaft befindet sich im steten Wandel. Technologische Fortschritte und Innovationen in fast allen Lebensbereichen erleichtern uns das Leben, gleichzeitig müssen wir uns mit ökologischen und sozialen Problemen auseinandersetzen. Dass solche Umwälzungen in der Kunst Ausdruck finden, ist selbsterklärend. Kunst ist aber nicht bloss eine künstlerische Umsetzung der realen Welt, Kunst ist weit mehr: Sie schafft Impulse, sie entwirft neue Ideen und beeinflusst dadurch unser Denken und Handeln. Kunst ist also gleichzeitig ein Spiegel der Gesellschaft und eine Quelle der Inspiration.

Um die Wechselwirkung von Gesellschaft und Kunst besser verstehen zu können, besuchten wir im Deutsch-Unterricht die Sammlung des Kunsthauses Zürich. Wir konzentrierten uns dabei auf den Übergang vom Realismus zur Moderne. Kompetent zeigte uns die Kunstvermittlerin Sybil Kraft an repräsentativen Beispielen, wie sich der künstlerische Ausdruck in der bildenden Kunst vom Ende des 19. bis heute verändert hat. Robert Zünds realistische, fast fotografisch anmutende Abbildung vom Wald im Gemälde «Eichenwald» entpuppte sich beim genauen Betrachten aber als Idealisierung: Kein geknickter Baum, kein Gestrüpp, kein Zeichen von Vergänglichkeit trübt diesen Wald, er repräsentiert gemäss Gottfried Keller eine «reale Ideallandschaft» oder «ideale Reallandschaft». Die Moderne wurde uns u. a. an Gemälden von Piet Mondrian erläutert. Die Realität wird auch hier verfremdet, aber nicht mehr idealisiert, die Gestalt wird aufgelöst, bis am Ende nur noch horizontale und vertikale Linien und die Grundfarben übrig bleiben. In der Literatur finden wir solche Auflösungsprozesse in dadaistischen Gedichten. Die Sprache wird zerstückelt und verändert bis zur totalen Unverständlichkeit. 2016 feiern wir das 100-jährige Jubiläum des Dadaismus. Von vielen unverstanden, als Unsinn abgetan, gar verlacht, ist es dieser Bewegung trotzdem gelungen, auch hundert Jahre später aktuell zu sein, Leute zu begeistern oder zu befremden. Die heutige Popkultur wäre ohne die Einflüsse des Dadaismus kaum denkbar, die Frauenbewegung fand in dieser Bewegung Mut zum Aufbruch. Wie wichtig also die Kunst für unsere Gesellschaft ist, zeigt sich am Beispiel des Dadaismus deutlich.

Vor ein paar Jahren war folgender Aphorismus von Albert Einstein eines der Themen für den Maturaaufsatz an der BMS Zürich: «Fantasie ist wichtiger als Wissen, denn Wissen ist begrenzt». Gerade in der Kunst manifestiert sich in mannigfaltiger Weise die Unbegrenztheit von Fantasie, Schöpfungskraft und Kreativität. Deshalb ist es wichtig, dass junge Menschen sich nebst allen anderen wichtigen Themen unserer Zeit auch mit Kunst befassen, denn Kunst ist immer auch eine vertiefte Auseinandersetzung mit unserem Menschsein.

Sozialwissenschaften

Umfrage zur Handynutzung durch Lernende der BM 1

Autor: Felix Hürlimann, Sozialwissenschaftslehrer

Im Unterricht befasste sich die Klasse BGS14b mit sozialwissenschaftlichen Forschungsmethoden und bekam den Auftrag, als Klasse eine Befragung innerhalb der Berufsmaturitätsschule Zürich zu einem selbstgewählten Thema durchzuführen. Das Ziel dieser Projektarbeit bestand darin, die Lernenden mit methodischem Wissen über Umfragen im Hinblick auf ihre Berufsmaturitätsarbeit vertraut zu machen. Der neue Rahmenlehrplan schreibt u.a. vor, dass Lernende der gesundheitlich-sozialen Richtung die Methode der quantitativen Befragung (z. B. standardisierter schriftlicher Fragebogen) und ihre Merkmale beschreiben können und unter Anleitung einer Lehrperson einen einfachen Fragebogen gestalten und im Pretest erproben.

Die Klasse entschied sich für das Thema «Handynutzung», da es im Unterricht immer wieder zur unerlaubten Nutzung von Mobiltelefonen gekommen war und die Lernenden selber merkten, wie sie sich von ihren Smartphones ablenken liessen. Bei einer Internetrecherche stiessen sie auf weitere interessante Zusammenhänge. Die drastische Zunahme von Krankschreibungen wegen Depressionen und Burnouts wird von Fachleuten in einen Zusammenhang mit Smartphones gebracht. Ständig erreichbar sein müssen, nicht abschalten können und immer auf dem Laufenden sein, sei ein günstiger Nährboden für Dauerbelastung und chronischen Stress und sei oft gekoppelt mit Schlafstörungen und einem Schlafmangel. Der Gehirnforscher Manfred Spitzer warnt sogar vor einer digitalen Demenz. Die Lernenden fanden einen Artikel über einen Lehrer, welcher in seinem Klassenzimmer einen Störsender eingerichtet hatte, wodurch sich das Problem schlagartig verbessert habe und die Schüler/innen deutlich weniger am Handy waren. Die Klasse wollte mit der Umfrage herausfinden, wie Lernende der BM 1 zu ihrem Smartphone-Konsum stehen und wie sich die Nutzung auf die Kommunikation und das Miteinander auswirkt. Drei Hypothesen und deren Überprüfung standen dabei im Zentrum.

Hypothese 1: Mindestens 80 % der Lernenden weisen Handysuchttendenzen auf.
Die Umfrage hat ergeben, dass die Hypothese nicht bestätigt werden kann. Nur eine Minderheit der Lernenden weist eine Suchttendenz auf, d. h. nur 10 % gaben an, dass sie es nicht einen ganzen Tag ohne Handy aushalten könnten und weniger als die Hälfte der Schüler/innen würde einen Handydiebstahl innerhalb von 30 Minuten bemerken. Immerhin bezeichnen sich 38 % als mehr oder weniger stark suchtgefährdet. Gut die Hälfte der Schüler/innen fühlt sich von der Gesellschaft abgeschottet, wenn er oder sie nicht erreichbar ist.

Hypothese 2: Je häufiger die Schüler/innen das Handy nutzen, desto mehr Verhaltensauffälligkeiten zeigen sie.
Die Resultate der Umfrage bestätigen die zweite Hypothese. Es existiert ein deutlicher Zusammenhang zwischen dem Ausmass der Handynutzung allgemein und der Fähigkeit, sich im Unterricht nicht vom Handy ablenken zu lassen, sich konzentrieren zu können und auf Seitengespräche zu verzichten. Auf die Frage, wie viele Stunden man täglich am Handy verbringe, gaben 87 % der Lernenden an, sich 2–5 Stunden mit ihrem Handy zu beschäftigen. 13 % sind sogar mehr als 5 Stunden an ihrem Handy (Vielnutzer). Auf die Frage, wie oft sie während einer Unterrichtslektion auf ihr Handy schauen, gaben nur 18 % der ersten Gruppe an, nie darauf zu schauen, 46 % von ihnen können es sich nicht verkneifen, wenigstens 1–3 Mal pro Lektion das Handy zu zücken und jede/r dritte Schüler/in dieser Gruppe schaut mindestens 4 Mal auf das Smartphone. Von den Vielnutzern schauen sogar drei von vier mindestens 4 Mal pro Lektion aufs Mobilphone. Nur 25 % von ihnen geben an, sich im Unterricht gut oder sehr gut konzentrieren zu können im Gegensatz zur ersten Gruppe, wo 85 % angeben, sich gut oder sehr gut konzentrieren zu können. Ausserdem ist die Tendenz zu Seitengesprächen bei den Vielnutzern doppelt so hoch wie bei der ersten Gruppe.

Hypothese 3: Wenn die Schüler/innen keinen Internetzugang haben, dann gehen sie weniger ans Handy.
Die Umfrage legt nahe, dass auch diese Hypothese bestätigt werden kann. Drei von vier Lernenden gaben an, dass sie ohne Internetzugang in der Schule weniger ans Handy gehen würden. Die Frage «Wie viele Male, wenn du ans Handy gehst, brauchst du für die benutzte Anwendung Internet?» wurde von 25 % mit «immer» und von 70 % mit «häufig» beantwortet. Ohne Internetzugang brauchen die Lernenden ihr Smartphone in erster Linie fürs Telefonieren resp. Versenden von SMS, in zweiter Linie fürs Musikhören und in dritter Linie um Bilder anzuschauen und Fotos zu schiessen, aber kaum fürs Gamen.

Zum Schluss stellt sich die Frage, wie repräsentativ diese Umfrage ist. Aufgrund der kleinen und einseitigen Stichprobe (es wurden nur 2 gesundheitlich-soziale Klassen einbezogen) dürfen die Resultate wohl kaum auf die ganze BMS Zürich verallgemeinert werden. Gleichwohl könnte die Umfrage als Ausgangspunkt für eine Berufsmaturitätsarbeit dienen, die sich mit diesem Thema an unserer Schule befasst.